Montag • 16. Januar, 19.30 Uhr • Stadtbibliothek am Kirchplatz, Saal tiefrot
Türöffnung 18.30 Uhr • Eintritt frei

100 Jahre Literarische Vereinigung Winterthur: Vernissage des Jubiläumsbuchs mit Peter Stamm und Ute Kröger
Mit Beiträgen von Michael Künzle, Andres Betschart, Lisa Briner und HansJoerg Diener

Zum Auftakt des Jubiläumsjahrs blicken wir zurück auf 100 Jahre «Literarische» - und voraus: Wir feiern die Buchvernissage von Informierter Eigensinn. Die Literarische Vereinigung Winterthur von 1917 bis 2017, das als Winterthurer Neujahrsblatt 2017 erscheint. Darin erzählt die Germanistin und Historikerin Ute Kröger die ersten 100 Jahre der «Literarischen» mit besonderem Blick auf die prägenden Personen und den «informierten Eigensinn» nach, der die Literarische Vereinigung seit ihren Anfängen auszeichnet. Im Jubiläumsbuch spiegelt sich aber auch die heutige «Literarische»: Viele haben Erinnerungen an bemerkenswerte Gäste und Veranstaltungen beigesteuert. Interviews mit Mitgliedern, kleine Schriftsteller-Porträts und ein Blick auf die aktuelle Winterthurer Literaturszene, runden das Bild ab. Und damit man nicht nur über Literatur lesen kann, gratuliert Peter Stamm der «Literarischen» mit einem Text über das (Vor-)Lesen.

An der Buchvernissage werden Stimmen aus dem Buch wie aus der heutigen LVW zu hören sein, beim anschliessenden Apéro darf gefeiert, das Neujahrsblatt zum Vorzugspreis erworben und ausgiebig darin geblättert werden: Eine Reise durch 100 Jahre «Literarische»!


Montag • 30. Januar, 19.30 Uhr • COALMINE Café
Türöffnung 18.30 Uhr • Eintritt: 20.– / 10.– • Mitglieder LVW: Eintritt frei

Michelle Steinbeck – «Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch»
Eingeführt von Barbara Tribelhorn

«Die Sonne ist hinter den Schornstein gekrochen, darauf sitzt eine Krähe und knackt eine Nuss. Ich drehe ein neues Blatt Papier in die Schreibmaschine und hacke in die Tasten: Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch.» Es folgt das rasante Märchen der merkwürdigen Loribeth, die sich mit einem von ihr getöteten Kind im Koffer auf die Reise zu ihrem Vater macht, über Meere und durch Welten, die nach der Lektüre unvergessen bleiben. Die Besprechung des Debüts der jungen Schriftstellerin Michelle Steinbeck im Literaturclub warf hohe Wellen, anderswo nannte man die Geschichte der reuelosen Loribeth «Flegelprosa». Ein Ritterschlag für eine junge Autorin, die über die Sprachgrenzen hinaus will und die Leserschaft leicht benommen und verzückt zurücklässt.

Michelle Steinbeck, geboren 1990 in Lenzburg, studierte Literarisches Schreiben in Biel und lebt in Basel und Zürich. Sie ist Redaktorin einer Zeitschrift, Veranstalterin des Festivals Dilettanten & Genies und ist Co-Kuratorin von Babelsprech für junge deutschsprachige Lyrik. Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch ist ihr erster Roman. Er erschien im Zürcher Lenos Verlag und stand 2016 auf der Shortlist des Schweizer Buchpreises und der Longlist des Deutschen Buchpreises.


Montag • 27. Februar, 19.30 Uhr • Kongresshaus Liebestrasse, Grüner Saal
Türöffnung 18.30 Uhr • Eintritt: 20.– / 10.– • Mitglieder LVW: Eintritt frei

Peter von Matt – Leser, Rätselrater, Vermittler, Einmischer
Eingeführt von HansJoerg Diener

Was wäre die Literatur ohne den Essay, der die Kraft der Argumente mit dem Schönen, dem Stil, der Imagination, dem Rückgriff auf Geschichten und mit der Fähigkeit, ich zu sagen, verbindet? Und was wäre die Schweizer Literatur ohne ihre Essayisten? Ohne Rousseau, ohne Burckhardt und Nietzsche, Max Rychner und Karl Schmid? Und ohne Peter von Matt, ihren ersten heutigen Essayisten? Natürlich ist von Matt Germanist. Allerdings einer, dessen philologischem Sinn und dessen historischem Bewusstsein kaum einer das Wasser reichen kann. Seine Essays sind literaturwissenschaftliche Versuche. Doch solche, die über die Vermehrung wissenschaftlichen Wissens weit hinausgehen. Es sind stets Lektionen aus hinreissend überraschenden Lektüren. Und was uns von Matt zeigt, hat nichts von der Unverbindlichkeit, die man der Literatur gerne nachsagt: Wir lernen eine «Macht» kennen, die «in den Menschen so stark ist wie die Macht der Hormone».

Peter von Matt, geboren 1937 in Luzern, von 1976 bis 2002 Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Zürich. Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Akademie der Wissenschaften Berlin. 2012 wurde er mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet. Peter von Matt lebt in Zürich. Im Januar 2017 erscheint im Hanser Verlag Sieben Küsse. Glück und Unglück in der Literatur.


Montag • 20. März, 17.30 Uhr • Treffpunkt: Tramhaltestelle «Hottingerplatz» Zürich
Dauer: ca. 1.5 Stunden • Eintritt frei

Drei Verlage unter einem Dach
Ein Blick hinter die Kulissen der Buchwelt

Seit einem Jahr sind im Haus Neptunstrasse 20 unweit des Hottingerplatzes in Zürich gleich drei Verlage ansässig: im ersten Stock der Verlag Nagel & Kimche (bereits seit 2011), im zweiten Stock der Unionsverlag und im dritten Stock der Dörlemann Verlag.

Dieses einzigartige 3-Verlags-Haus öffnet seine Türen für interessierte Leserinnen und Leser und zeigt, was «Buchproduktion» bedeutet und was hinter den Kulissen der Buchwelt geht. Vielleicht ist sogar eine der Autorinnen oder der Autoren vor Ort? Dirk Vaihinger, Lucien Leitess und Sabine Dörlemann geben kurz vor der Leipziger Buchmesse einen exklusiven Einblick.

Im Anschluss haben Sie die Möglichkeit, Bücher aus den Verlagen zum Vorzugspreis zu erstehen.

Anmeldung: sekretariat@dieliterarische.ch oder telefonisch 052 238 08 82


Montag • 3. April, 19.30 Uhr • COALMINE Café • Türöffnung 18.30 Uhr
Eintritt: 20.– / 10.– • Mitglieder LVW: Eintritt frei

Jonas Lüscher – «Kraft. Eine Vakuumtheodizee»
Eingeführt von Claudio Notz

Jonas Lüscher ist bereits mit seinem Erstling Frühling der Barbaren ein Achtungserfolg gelungen. In der raffinierten Novelle zur Finanzkrise geht er der Frage nach, wie man erzählerisch die Komplexität der globalen Welt bändigen könne. Ein unzuverlässiger Erzähler, der den unbequemen Fragen ausweicht, soll es richten und in einer Psychiatrie vom Einbrechen der Finanzkrise in ein Luxusresort in Tunesien berichten.

Mit Kraft wagt sich Jonas Lüscher an noch grössere Themen heran, an die Frage der Theodizee. Sie beschäftigt die Theologen seit Jahrhunderten: Warum lässt Gott das Böse zu, wenn er doch gut und Ursprung des Guten ist? Ausgerechnet diese Frage soll Richard Kraft, Rhetorikprofessor in Tübingen, einen Ausweg aus seiner Misere bieten. Sein alter Weggefährte István, Professor an der Stanford University, lädt ihn zur Teilnahme an einer wissenschaftlichen Preisfrage dorthin ein. In Anlehnung an Leibniz' Antwort auf die Theodizeefrage soll in einem Kurzvortrag begründet werden, weshalb alles, was ist, gut ist und wir es dennoch verbessern können. Komisch, präzise und böse erzählt Lüscher in diesem Roman von einem Mann, der sich selbst nicht versteht, und von einer zu jedem Tabubruch bereiten Machtelite, die scheinbar nichts und niemand aufhalten kann.

Jonas Lüscher, geboren 1976 in der Schweiz, lebt in München. Dort arbeitete er als Dramaturg, Ethiklehrer und Lektor. 2011-2014 arbeitete er an der ETH Zürich. 2013 erschien seine Novelle Frühling der Barbaren.


Montag • 24. April, 19.30 Uhr • Stadtbibliothek am Kirchplatz, Saal tiefrot
Türöffnung 18.30 Uhr • Eintritt frei

Hans Kägi. Eine Biografie: Vernissage des Neujahrsblatts von Karin Briner

Von den Jahren des Ersten Weltkriegs bis zu seinem Tod 1971 war der Winterthurer Redaktor und Lokalhistoriker Hans Kägi (geboren 1889) im Kulturleben der Stadt allgegenwärtig: zunächst als Feuilleton- und Lokalredaktor des «Neuen Winterthurer Tagblatts», später als Mitbegründer und Redaktor des Winterthurer Jahrbuchs. Eine eigene literarische Karriere zu verfolgen, gelang ihm nicht, als Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Literarischen Vereinigung Winterthur war seine Stimme im lokalen Literaturbetrieb aber immer präsent.

Kägis Leben selbst böte Stoff für einen Roman: Dem Aufstieg aus einfachen Verhältnissen in die intellektuelle Elite Winterthurs folgte eine Schaffens- und Lebenskrise, die zum Bruch mit Familie und Gesellschaft und zur Flucht ins Tessiner Exil führte. 60-jährig kehrte Hans Kägi nach Winterthur zurück, wo seiner Arbeit endlich gesellschaftliche Anerkennung fand - auch von offizieller Seite durch die Stadt Winterthur.

Im 353. Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur erzählt die Historikerin Karin Briner das von einem unbändigen «Willen, vorwärtszukommen» geprägte Leben der Winterthurer Persönlichkeit im Spiegel der gesellschaftlichen Veränderungen des 20. Jahrhunderts.


Montag • 8. Mai, 19.30 Uhr • COALMINE Café • Türöffnung 18.30 Uhr
Eintritt: 20.– / 10.– • Mitglieder LVW: Eintritt frei

Stephan Wackwitz – «Die Bilder meiner Mutter»
Eingeführt von Ute Kröger, Leseverein Kilchberg

Stephan Wackwitz erzählt das Leben seiner Mutter als Traum von einem schöpferischen, selbstbestimmten Leben. Aus seinem Porträt entsteht ein Generationenbild der in den 1920er Jahren geborenen Frauen, die unkonventionell aus den Rollenzwängen ausbrachen, ihre beruflichen Träume verwirklichten - und in der bürgerlichen Enge der 1950er Jahre scheiterten. Stephan Wackwitz verschränkt dabei individuelle mit kollektiver Geschichte, liefert so - unterhaltsam und sehr gescheit - in einer Mischung aus Autobiografie, Essay, philosophischer Reflexion und Geschichtsschreibung eine eindrückliche Mentalitätsgeschichte der Nachkriegszeit. Er zieht uns Leserinnen und Leser in den Bann der Geschichte seiner Mutter, die trotz allem in ihrer «Eleganz, Zuversicht und Fantasie» ein Modell für offene Lebensentwürfe heutiger Frauen darstellt.

Stephan Wackwitz, geboren 1950, arbeitet seit 1986 in verschiedenen Ländern für das Goethe-Institut, derzeit - nach Stationen in Japan, Polen, der Slowakei und den USA - in Tiflis (Georgien). Von ihm erschienen Essays ebenso wie Romane, Die Wahrheit über Sancho Pansa (1999), sowie Reise- und autobiografische Bücher.


Montag • 29. Mai, 19.30 Uhr • Treffpunkt vor der Stadtkirche Winterthur
Dauer ca. 90 Minuten • Eintritt frei • mit Apéro

Literarische Stadt-Safari in der Altstadt

Literatur in Winterthur - einst und heute: Das Organisationsteam der Literarischen Stadt-Safari nimmt uns mit auf einen Rundgang durch die Winterthurer Altstadt. Autoren und Autorinnen von heute lesen neben eigenen Texten auch solche von verstorbenen Winterthurer Literaten, teils an Literatur-Orten, teils in versteckten Winkeln der alten Gemäuer.

Die Lesenden - Irène Bourquin, Margrit Grazioli, Thomas Heckendorn, Ruth Loosli, Matthias Müller und Veronika Suter - haben je einen verstorbenen Autor oder eine Autorin ausgewählt, deren Namen hier noch nicht verraten sei. Die Stadt-Safari startet vor der Stadtkirche und dauert ca. 90 Minuten. An der letzten Station bietet sich beim Apéro und neben dem Büchertisch Gelegenheit zum Gespräch mit den Lesenden.


Freitag • 16. Juni, 19.30 Uhr • COALMINE Café • Türöffnung 18.30 Uhr
Eintritt: 20.– / 10.– • Mitglieder LVW: Eintritt frei

Paul Nizon – «Das Leben ist zu verlieren oder zu gewinnen» oder «Schreiben ist Leben»
Eingeführt von HansJoerg Diener

Paul Nizon ist ein Monument der Schweizer Literatur und gehört bestimmt zu ihren einflussreichsten und originellsten Vertretern. Der «Verzauberer, der zur Zeit grösste Magier der deutschen Sprache» (Le Monde) zog vor vierzig Jahren nach Paris, die Schweiz war ihm zu kleingeworden, zu eng. Diskurs in der Enge hiess die Schrift, in der Nizon die mentale Eingeschränktheit der Eidgenossen anprangerte; heute ein vielzitierter Klassiker. «... meine Bücher wurden Paris-Bücher, weil sie hier stattgefunden haben (...) und die Kulisse, die Substanz zu dieser Stadt gehörte. Es wurden Stadt-Romane, Künstler-Romane, Existenz-Romane.»

Der Leser verliert sich in ihnen, verweilt bei Impressionen, steigt durch Stiegenhäuser, rastet auf Caféterrassen, verlässt das Geschriebene für Augenblicke und findet sich in zerwühlten Betten wieder: Flanieren auf Sprache. Nizons Erinnerungen leuchten wie sanftes Laternenlicht.

Paul Nizon, geboren 1929 in Bern, lebt in Paris. Er erhielt für sein Werk, zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen, u. a. 2010 den österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur.


Montag • 26. Juni, 19.30 Uhr • COALMINE Café • Türöffnung 18.30 Uhr
Eintritt: 20.– / 10.– • Mitglieder LVW: Eintritt frei

Julya Rabinowich – «Krötenliebe»
Eingeführt von Evelyn Schertler Kaufmann

österreich, kurz vor und während des Ersten Weltkrieges: Verstrickungen und Sehnsüchte, rasender Liebesverrat, Genie und Geist, Fetisch und Inspiration: Die drei Figuren dieses Ringelspiels sind die sirenenhafte Femme fatale und Muse Alma Mahler-Werfel, das wahnhafte Enfant terrible der Wiener Kunst des Fin de Siècle, Oskar Kokoschka, und der umstrittene Epigenetiker Paul Kammerer. Changierend zwischen Recherchemosaik und raffinierter Fiktion gelingt Rabinowich mit feinem Gespür für die Zeit und ihre neurotischen Charaktere ein funkelndes, höchst vergnügliches Kaleidoskop. Das episodische Porträt leidenschaftlicher Skandale zwischen Venedig, Dresden und Wien lässt Originalquellen sprechen.

Julya Rabinowich, geboren 1970 in St. Petersburg, lebt seit 1977 in Wien, wo sie Bildende Kunst studierte und als Simultandolmetscherin für Flüchtlinge arbeitet. Neben Kolumnen im Standard schreibt sie Stücke, zuletzt Tagfinsternis (2014). Im Debüt Spaltkopf (2008) erzählt sie die autobiografische Geschichte einer Emigration. Weitere Werke: Herznovelle (2011), Die Erdfresserin (Roman, 2012) sowie ihr erstes Jugendbuch Dazwischen: Ich (2016).