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Veranstaltungen
Meral Kureyshi – «Fünf Jahreszeiten»

Eingeführt von Andrea Weber

Zu Beginn wird der Abschied von Adam erzählt. Dann geht es zurück in den Winter, als die Ich-Erzählerin sich in Adam, den Künstler, verliebt, gleichzeitig aber mit Manuel, dem Dozenten für Kunstgeschichte, zusammen ist. Sie arbeitet in einem Museum, wartet, dass etwas passiert, beobachtet die Menschen und vertreibt sich die Zeit mit Gesprächen mit Nikola, der ebenfalls Aufseher im Museum ist – oder mit Gedanken wie dem, ob es gut sei, wenn die Zeit schnell vergeht. Es bleibt viel Platz für Erinnerungen, und immer wieder erinnern Episoden und Orte des Alltäglichen die Protagonistin an ihren verstorbenen Baba. Fünf Jahreszeiten erzählt sehr poetisch vom Alltag einer jungen Frau, von ihrer Trauer, von ihren Beziehungen und ihrem Verharren.

 

Meral Kureyshi, geboren 1983 in Prizren im ehemaligen Jugoslawien, kam 1992 mit ihrer Familie in die Schweiz und lebt in Bern. Sie hat Literatur und Germanistik studiert, gründete das Lyrikatelier und arbeitet als freie Autorin. Mit ihrem ersten Roman Elefanten im Garten war sie bereits in der Literarischen zu Gast und war nominiert für den Schweizer Buchpreis. Kureyshi wurde mehrfach ausgezeichnet und in viele Sprachen übersetzt.

22.03.21, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei

 

Dorothee Elmiger – «Aus der Zuckerfabrik»

Eingeführt von Evelyn Schertler Kaufmann

Aus der Zuckerfabrik ist die komprimierte Geschichte einer Recherche, die den Blick öffnet für die Komplexität dieser Welt rings um die Kreisläufe von Kapital, Arbeitskraft und Begehren. Der Text offenbart sich in seiner kühnen Form als Journal voller Beobachtungen – diese verführen uns mit einer Fülle von literarischen Zitaten zum (Mit)träumen. So drängen sich nachts Gestalt gewordene Erinnerungen am Bett der Autorin, sie folgt den Spuren des Geldes und des Verlangens durch Jahrhunderte und Weltgegenden. Dabei entwirft sie Biographien von Mystikerinnen, Unersättlichen und Kolonialisten, studiert die Routen der Schiffe auf dem Atlantik, protokolliert Träume und Fälle von Ekstase und Wahnsinn.

 

Dorothee Elmiger, geboren 1985, lebt und arbeitet in Zürich. 2010 erschien ihr Debüt Einladung an die Waghalsigen, 2014 der Roman Schlafgänger. Ihre Texte wurden vielfach übersetzt, für die Bühne adaptiert und ausgezeichnet, u. a. mit dem Aspekte-Literaturpreis, dem Rauriser Literaturpreis, dem Erich-Fried-Preis und einem Schweizer Literaturpreis.

12.04.21, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei

Ralf Schlatter – «Muttertag»

Eingeführt von Lisa Briner

«Mutter, Mutter, Mutter. Was hast du mir da nur eingebrockt.» Die Mutter hat beschlossen zu sterben, ihr Sohn soll ihr dabei helfen. Weil er Zeit zum Nachdenken braucht, macht sich der Sohn in Ralf Schlatters Muttertag zu Fuss auf zu diesem Abschied. Frühmorgens geht er los, den ganzen Weg von Zürich nach Schaffhausen, wo die Mutter abends sterben wird. Stunde um Stunde versucht er zu verstehen, wer diese Mutter war und warum er nie von ihr loskam. Zu jedem Stundenschlag denkt er sich einen möglichen Abschied von der Mutter aus – bis er ankommt und der letzte Abschied tatsächlich ansteht.

Ralf Schlatter erzählt vom Aufwachsen in einer ganz normalen Kleinfamilie der 1970er Jahre und davon, dass man immer etwas von der Generation vor einem mitträgt. Sein Roman im Takt des Gehens ist ein hochgradig reflektiertes «Kreuzfeuer der Erinnerung» (Beat Mazenauer), das weder die Mutter noch den Sohn schont, doch durch seine Wahrhaftigkeit und seinen Humor besticht.

 

Ralf Schlatter, geboren 1971, lebt als freier Autor und Kabarettist im Duo «schön & gut» in Zürich. Zuletzt erschien von ihm Sagte Liesegang (2013), Maliaño (2015), Steingrubers Jahr (2017) und das Kinderbuch Margarethe geht (2019).

03.05.21, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei

Franz Hohler – «Fahrplanmäßiger Aufenthalt»

Eingeführt von Ruth Loosli

Neuer Austragungsort: Alte Kaserne (s. links)

 

Das Schreiben Franz Hohlers ist immer auch ein Reisen. Nicht selten entsteht es unterwegs, an Bahnhöfen oder Flughäfen, im Gehen oder Warten. Fahrplanmäßiger Aufenthalt versammelt die neueste Kurzprosa dieses grossen Meisters der kleinen Form. Die Erzählungen führen in die Ferne, nach Sarajevo, Kenia, Odessa oder auf den Maidan nach Kiew. Sie führen aber auch in einen Wartesaal am Bahnhof Schwäbisch Hall oder zur Birke vor dem eigenen Haus. Brillant beiläufig und pointiert öffnen sie die Fenster in die Wirklichkeit, die fremde wie die eigene, und gleiten unversehens ins Phantastische. Sie erzählen davon, was sich in unserer immer kleiner werdenden Welt entdecken lässt, wenn man nur genau hinsieht.

 

Franz Hohler, geboren 1943 in Biel, aufgewachsen in Olten. Er studierte einige Semester Germanistik und Romanistik, danach widmete er sich ganz der Kunst. Sein Werk umfasst unter anderem Kabarettprogramme, Theaterstücke, Film- und Fernsehproduktionen, Kinderbücher, Kurzgeschichten, Romane und Gedichte.

06.06.21, 17.00 Uhr

Alte Kaserne, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei

 

Guy Krneta – «Die Perücke»

Musikalisch begleitet von Michael Pfeuti

Der mehrfach preisgekrönte Theaterautor und Schriftsteller Guy Krneta liest aus dem Mundart-Originaltext «D Perügge» und wird begleitet von Michael Pfeuti am Bassetto. Der Protagonist ist ein junger Studienabbrecher, der zum Theater will. Wie auch Krneta findet er am Stadttheater Bern eine erste Heimat. Er geniesst den Trubel und die neugewonnene Familie hinter den Kulissen, bis seine depressive Freundin Esther aus dem Leben scheidet. Sie hinterlässt ihm ihre Tagebücher, die er auf die Bühne bringen will – zusammen mit der Regisseurin Rike, die in diesem Gefüge Esthers Gegenpol ist. Rike hat sich ganz dem Theater verschrieben, sie hat sich ein Leben um ihre Passion herum gebaut. Und genau das geschieht nun auch mit unserem Protagonisten. 22 Jahre später steht er schliesslich wieder an Esthers Grab.

Guy Krneta, Theatermann, Spoken-Word-Literat und Gründer des Autorenkollektivs «Bern ist überall», gilt trotz seines jungen Alters als Vater der Schweizer Mundart- literatur. In seinem neuen Buch «Die Perücke» schreibt er jedoch plötzlich nicht mehr Berndeutsch, sondern Hochdeutsch – hören werden wir ihn an diesem Abend dennoch in Mundart.

21.06.21, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei

 

Usama Al Shahmani – «Im Fallen lernt die Feder fliegen»

Eingeführt von Adriana Rey

Die 27-jährige Aida ist glücklich in ihrer Beziehung mit Daniel – wenn da nicht seine Fragen nach ihrer Herkunft wären, die zu beantworten sie sich weigert und damit regelmässig Streit provoziert. Doch als Daniel zu einem viermonatigen Zivildiensteinsatz aufbricht, macht sich Aida daran, ihre Geschichte aufzuarbeiten. Schreibend setzt sie sich mit dem auseinander, worüber sie jahrelang geschwiegen hat, und macht dadurch auch den Beginn einer Versöhnung möglich.

Einfühlsam erzählt der Autor von Flucht- und Exilerfahrungen, von Verlusten, familiären Konflikten und dem Ringen einer jungen Frau um ihre eigene Identität.

Usama Al Shahmani wurde 1971 in Bagdad geboren, musste wegen eines Theaterstücks 2002 aus dem Irak fliehen und lebt heute als Dolmetscher, Kulturvermittler und Übersetzer in Frauenfeld. Sein erster Roman In der Fremde sprechen die Bäume arabisch wurde mehrfach ausgezeichnet.

05.07.21, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei