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Veranstaltungen
Ruth Loosli – «Mojas Stimmen»

Eingeführt von Lisa Briner

Bis vor kurzem war Paulas Tochter die feinfühlige junge Frau, als die ihre Mutter sie kennt. Nun lässt sich Moja bei der Arbeit krankschreiben, geht kaum mehr ausser Haus und zieht sich in ihre eigene Welt zurück. Alltägliche Dinge wachsen sich zu unbewältigbaren Aufgaben aus, sie verstummt zusehends. Und da sind auch noch die Stimmen, denen Moja zu gehorchen hat. Paula hat inzwischen ihr eigenes Leben. Doch Mojas Krankheit wirft auch sie aus der Bahn. Jenseits von klinischen Diagnosen versucht Paula zu verstehen, wohin ihre Tochter geraten ist, ihr beizustehen. Ein Wechselbad von Hoffnung, Wut und Hilflosigkeit: Da gibt es Momente der Nähe, doch oft bleibt Moja unerreichbar, Paula sprachlos.

Ruth Looslis berührender erster Roman findet Sprache für das, was eine psychische Erkrankung bedeutet: Für diejenigen, die ihr ausgeliefert sind, wie auch für ihr Um- feld. In starken Bildern, gewitzt und zärtlich erzählt Ruth Loosli von Mutter und Tochter, deren Beziehung auf eine harte Probe gestellt wird.

 

Ruth Loosli, geboren 1959, lebt in Winterthur. Sie veröffentlichte die Lyrikbände Aber die Häuser stehen noch (2009), Berge falten (2016), Hungrige Tastatur (2019) und die Geschichten von Wila (2011). Für Mojas Stimmen erhielt sie einen Werkbeitrag der Stadt Winterthur.

23.08.21, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei

 

Dorothee Elmiger – «Aus der Zuckerfabrik»

Eingeführt von Evelyn Schertler Kaufmann

Aus der Zuckerfabrik ist die komprimierte Geschichte einer Recherche, die den Blick öffnet für die Komplexität dieser Welt rings um die Kreisläufe von Kapital, Arbeitskraft und Begehren. Der Text offenbart sich in seiner kühnen Form als Journal voller Beobachtungen – diese verführen uns mit einer Fülle von literarischen Zitaten zum (Mit)träumen. So drängen sich nachts Gestalt gewordene Erinnerungen am Bett der Autorin, sie folgt den Spuren des Geldes und des Verlangens durch Jahrhunderte und Weltgegenden. Dabei entwirft sie Biographien von Mystikerinnen, Unersättlichen und Kolonialisten, studiert die Routen der Schiffe auf dem Atlantik, protokolliert Träume und Fälle von Ekstase und Wahnsinn.

 

Dorothee Elmiger, geboren 1985, lebt und arbeitet in Zürich. 2010 erschien ihr Debüt Einladung an die Waghalsigen, 2014 der Roman Schlafgänger. Ihre Texte wurden vielfach übersetzt, für die Bühne adaptiert und ausgezeichnet, u. a. mit dem Aspekte-Literaturpreis, dem Rauriser Literaturpreis, dem Erich-Fried-Preis und einem Schweizer Literaturpreis.

13.09.21, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei

Meral Kureyshi – «Fünf Jahreszeiten»

Eingeführt von Andrea Weber

Zu Beginn wird der Abschied von Adam erzählt. Dann geht es zurück in den Winter, als die Ich-Erzählerin sich in Adam, den Künstler, verliebt, gleichzeitig aber mit Manuel, dem Dozenten für Kunstgeschichte, zusammen ist. Sie arbeitet in einem Museum, wartet, dass etwas passiert, beobachtet die Menschen und vertreibt sich die Zeit mit Gesprächen mit Nikola, der ebenfalls Aufseher im Museum ist – oder mit Gedanken wie dem, ob es gut sei, wenn die Zeit schnell vergeht. Es bleibt viel Platz für Erinnerungen, und immer wieder erinnern Episoden und Orte des Alltäglichen die Protagonistin an ihren verstorbenen Baba. Fünf Jahreszeiten erzählt sehr poetisch vom Alltag einer jungen Frau, von ihrer Trauer, von ihren Beziehungen und ihrem Verharren.

 

Meral Kureyshi, geboren 1983 in Prizren im ehemaligen Jugoslawien, kam 1992 mit ihrer Familie in die Schweiz und lebt in Bern. Sie hat Literatur und Germanistik studiert, gründete das Lyrikatelier und arbeitet als freie Autorin. Mit ihrem ersten Roman Elefanten im Garten war sie bereits in der Literarischen zu Gast und  nominiert für den Schweizer Buchpreis. Kureyshi wurde mehrfach ausgezeichnet und in viele Sprachen übersetzt.

27.09.21, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei

Flavio Steimann – «Krumholz»

Eingeführt von Adriana Rey

Die ländliche Schweiz im frühen 20. Jahrhundert: Das Leben der Bauern, Arbeiter und Handwerker ist von modernen Errungenschaften und Ideen noch weitgehend unberührt; kirchliche Feiertage sowie die Abfolge der Jahreszeiten prägen den Zeitenlauf. Die Arbeit ist hart, der Umgang rau und die Vergnügungen spärlich. Eines Frühsommers erhitzt ein brutales Verbrechen die Gemüter. Fortan gilt nur noch ein Gebot: Den Mörder zu fassen und zu bestrafen.

Der Roman widmet sich in gleichen Teilen dem Opfer und dem Täter, der taubstummen Agatha und dem Landstreicher Zenz. In arme, lieblose Verhältnisse hineingeboren sind sie beide gierig nach Leben und einem kleinen Glück. In kraftvoller, eindringlicher und lyrisch verdichteter Sprache schildert der Autor das Leben zweier Aussenseiter in einer unbarmherzigen Gesellschaft.

 

Flavio Steimann wurde 1945 geboren und lebt und arbeitet in Luzern. Er ist Autor von Romanen, Erzählungen, Kurzgeschichten sowie Theaterstücken. Für seine Erzählung Aperwind erhielt er den Schweizerischen Schillerpreis.

25.10.21, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei

 

 

Jan Wagner – «Der glückliche Augenblick»

Eingeführt von Claudio Notz

Jan Wagner ist nicht nur ein begnadeter, er ist auch ein begeisterter Lyriker. Dies gilt selbst dann, wenn er wie in seinem neuen Band Der glückliche Augenblick Prosa verfasst. Worüber Wagner auch schreibt – über das Verhältnis von Lyrik und Fotografie, Motorroller und Geistergeld in Vietnam, über Pässe und Grenzen oder schlicht den Wiedehopf – sein offener, dem Staunen verpflichteter Blick auf die Welt macht diese mit beiläufiger Eleganz geschriebenen Essays zu herrlichen Wundertüten – aus jeder einzelnen sind meisterhaft zugespitzte Geschichten und immer wieder überraschende Erkenntnisse zu ziehen, ganz so wie in seinen Gedichten auch.

 

Jan Wagner,1971 in Hamburg geboren, lebt in Berlin. 2001 erschien sein erster Gedichtband Probebohrung im Himmel. Es folgten Guerickes Sperling (2004), Achtzehn Pasteten (2007), Australien (2010), Die Eulenhasser in den Hallenhäusern (2012) und der Sammelband Selbstporträt mit Bienenschwarm (2016). Zuletzt erschien der Essayband Der verschlossene Raum (2017). Für seinen Gedichtband Regentonnenvariationen (2014) gewann er 2015 den Preis der Leipziger Buchmesse, 2017 wurde er mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.

08.11.21, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei

 

Hildegard E. Keller – «Was wir scheinen»

Eingeführt von Evelyn Schertler Kaufmann

Im Sommer 1975 reist die Philosophin Hannah Arendt ins Tessin, um sich schreibend an elementare Stationen ihres Lebens zu erinnern: Von Königsberg über Berlin, Paris nach New York, Rom und Israel. Besonderes Augenmerk fällt auf ihre Zeit in Jerusalem und ihr Buch über den Prozess gegen den SS-Mann Adolf Eichmann, das ihren Namen in der Weltöffentlichkeit berühmt machte.

Hildegard E. Keller ist mit Was wir scheinen das Kunstwerk gelungen, einen unterhaltsamen, fiktionalen Roman über eine berühmte Frau sowie ihr weit verzweigtes intellektuelles Beziehungsnetz zu schreiben, der sich «leicht lesen lässt, ohne das Thema auf die leichte Schulter zu nehmen» (Eva Bachmann, SAITEN). So wird diese grosse Denkerin aufs Anmutigste lebendig.

 

Hildegard E. Keller ist als Literaturwissenschaftlerin, Autorin, Kritikerin und Kulturunternehmerin tätig. Ihre Theaterstücke, Hörspiele und Filme holen Frauen und ihre Werke ins Leben zurück. Sie war Jurorin beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt (2009–2019) und Mitglied im Literaturclub des SRF (2012–2019). Zehn Jahre lang lehrte sie in den USA, heute lehrt sie Multimedia-Storytelling an der Universität Zürich. In ihrer eigenen Edition Maulhelden ediert sie eine Werkausgabe von Alfonsina Storni und deren Biografie.

29.11.21, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei

 

Romana Ganzoni – «Magdalenas Sünde»

Eingeführt von Ruth Loosli

Zwar hat Magdalena endlich Arbeit in einer Zürcher Konditorei gefunden, doch es will ihr nicht recht gelingen, das Leben in die eigene Hand zu nehmen. Noch lässt sie sich von dem narzisstischen Schriftsteller Meteoriten hinhalten und demütigen. Noch beobachtet sie mit hungrigen Augen im Café am Bellevue das Treiben ringsum. Doch dann erinnert sie sich plötzlich an eine Begebenheit aus der Kindheit – die verloren gegangene Jugendfreundin – und begegnet: Kakao. Diese Begegnung führt zu Ereignissen, die alles zusammenzuführen scheinen – doch das Leben bleibt zu löchrig und zu komplex, um nicht nochmals eine neue Wendung zu nehmen. Die Autorin Romana Ganzoni hat für diese Geschichte den passenden Ton gefunden, eine Sprache, wie sie literarischer nicht sein könnte, die aber nah der Figur entlangführt.

 

Romana Ganzoni kam 1967 in Scuol zur Welt. Sie schreibt Erzählungen, Romane, Essays, Gedichte und Kolumnen, Blog- und Radiobeiträge. Zuletzt erschienen im Rotpunktverlag der Erzählband Granada Grischun und der Roman Tod in Genua sowie bei da bux der Jugendroman Die Torte. Sie erhielt den Bündner Literaturpreis 2020.

06.12.21, 19.30 Uhr

COALMINE Café, Türöffnung 18.30 Uhr, Eintritt: 20.– / 10.–, Mitglieder LVW: Eintritt frei