Daniel Mezger: Bevor ich alt werde

Eingeführt von Evelyn Schertler Kaufmann

Mit den Jungs ihrer Band hofft Charlie, das Mädchen an der Gitarre, in der Provinz auf den Durchbruch. Zu Hause hat sich ihre Mutter der Diagnose einer heimtückischen Erbkrankheit ergeben, die vermutlich auch in Charlie schlummert. Doch die junge Protagonistin stürzt sich lebenshungrig in eine launische Musikkarriere. Mit treibendem Groove wird die potenziell fatale Diagnose künstlerisch überspielt, sie tourt mit ihrer ersten Platte in Toronto, Detroit, Berlin. Als sie sich in Jason verliebt und ein fragiler Kinderwunsch auftaucht, muss sie entscheiden, ob sie einen Gentest wagen will. Im intimen Mutter-Tochter-Portrait spiegeln sich sensible Aspekte weiblicher Lebensentwürfe und münden in den Fragen: Ist Wissen besser als Nichtwissen? Ist das Schicksal vorbestimmt? Wie alt werde ich? Vielschichtig orchestriert, erzählt Daniel Mezger in vibrierender Sprachwucht von der Auflehnung einer jungen Frau. Die Schwere der herben Botschaft wird mit frischen Staccato-Dialogen vom Sockel der Betroffenheit geholt: «Trotz seines existentiellen Ernsts ist der Roman immer wieder unglaublich komisch!», schreibt Sieglinde Geisel in der FAZ.

Daniel Mezger, geboren 1978, ist Theater- und Prosaautor. Aufgewachsen im Kanton Glarus, absolvierte er eine Schauspielausbildung in Bern, stand auf Bühnen und vor der Kamera in Deutschland, studierte dann am Literaturinstitut in Biel. Seine Romane «Land spielen» und «Alles ausser ich» wurden vom Feuilleton hochgelobt. Er lebt mit seiner Familie in Zürich und ist leidenschaftlicher Sänger in der Indie-Band «A Bang and a Wimper».

25.08.2026

19.30 Uhr

Coalmine Café, Turnerstrasse 1, 8401 Winterthur

Tickets CHF 20.- / CHF 10.- mit Legi oder Kultur-Legi / gratis für Mitglieder

Ilma Rakusa: Wo bleibt das Licht

Eingeführt von Claudio Notz

Die Dichterin und Übersetzerin Ilma Rakusa stellt sich in ihrem neuen Buch «Wo bleibt das Licht» den drängenden Fragen unserer Zeit. In Tagebuchprosa, Gedichten, Mono- logen und Dialogen erkundet sie mehr als zweieinhalb Jahre lang – beginnend im Sommer 2022 – ihr Inneres im Spiegel des Aussen. Mit Erschütterung blickt sie auf die Krisenherde der Welt, hadert und zweifelt und findet doch immer wieder eine Lücke zur Hoffnung, insbesondere im Kontakt mit ihren Enkelkindern. Da erlaubt sie sich, ganz im gegenwärtigen Moment zu sein, zu staunen über die lebendige Fantasie der Kinder; sich darin wiederzuerkennen. Glück ist ihr ebenso wenig ein Fremdwort wie Menschlichkeit, an die sie appelliert. Sie prangert Ungerechtigkeit und Despotismus an, berichtet voller Empathie vom Alltag notleidender Menschen. Die Autorin führt uns durch die komplexe Gegenwart mit ihrer leisen, eindringlichen Sprache, die wir auch von ihren Gedichten her kennen.


Ilma Rakusa, 1946 in der Slowakei geboren, lebt heute in Zürich. Sie studierte Slawistik und Romanistik in Zürich, Paris und St. Petersburg. Sie arbeitet als Übersetzerin, Schriftstellerin und Publizistin und wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem Berliner Literaturpreis (2017), dem Kleist-Preis (2019) und dem Johann-Heinrich-Merck-Preis (2025).

08.09.2026

19.30 Uhr

Coalmine Café, Turnerstrasse 1, 8401 Winterthur

Tickets CHF 20.- / CHF 10.- mit Legi oder Kultur-Legi / gratis für Mitglieder

Leon Engler: Botanik des Wahnsinns

Eingeführt von Adriana Rey

Dass der Ich-Erzähler dieses Romans in der Psychiatrie landen würde, war absehbar. Erstaunlich ist eher, dass er dort als Therapeut ankommt und nicht als Patient, denn seine Familiengeschichte ist geprägt von schwersten psychischen Krankheiten. Getrieben von der Angst, selbst den Verstand zu verlieren, flüchtet sich der Erzähler in verschiedene Städte, in Bücher und in ein Theaterstudium, bevor er sich für die Psychologie entscheidet. Doch sowohl bei der Betrachtung seiner Patienten als auch seiner Verwandten kommen ihm zuweilen Zweifel: Wie lässt sich eigentlich festlegen, was wir als «normal» und was als «krank» bezeichnen – und wer sich wem anzupassen hat? Leichtfüssig, medizinisch und kulturhistorisch bestens informiert und gespickt mit Sätzen, die zum Innehalten und Nachdenken anregen, führt uns der Erzähler durch die Geschichte der Psychiatrie und die seiner eigenen Familie.    

Leon Engler, geboren 1989, wuchs in München auf und studierte Theater-, Film-, Medien-, Kulturwissenschaft und Psychologie in Wien, Paris und Berlin. Er veröffentlichte zahlreiche Theaterstücke, Hörspiele und Kurzgeschichten und wurde 2022 mit dem 3sat-Preis beim Bachmann-Wettbewerb ausgezeichnet. Leon Engler ist tätig als Autor, Psychologe und Dozent für Psychologie und Literarisches Schreiben.

29.09.2026

19.30 Uhr

Coalmine Café, Turnerstrasse 1, 8401 Winterthur

Tickets CHF 20.- / CHF 10.- mit Legi oder Kultur-Legi / gratis für Mitglieder

Yael Inokai: Die Auster

Eingeführt von Belinda Lamatsch

Wir betreten einen blitzblanken Tatort: Der Geschäftsführer eines Berliner Kaufhauses wird ermordet in seiner Wohnung aufgefunden. Noch bevor die Polizei eintrifft, hat Leonora Bloch alle Spuren beseitigt – so diskret und gründlich, wie sie schon seit 45 Jahren als Reinigungskraft bei Dr. Bronstett arbeitet. Die Ermittlungen führen in die Austernbar des Kaufhauses. Hinter den makellos polierten, glänzenden Oberflächen werden bei genauerem Hinsehen die ersten Risse sichtbar. Welche Geheimnisse kennt die Protagonistin, und welche hütet sie selbst? Mit Beobachtungsgabe und viel Humor schafft Inokai einen ebenso packenden wie klugen Roman. Verfasst in präziser und aufmerksamer Sprache verflicht der Roman die Geschichten seiner Figuren. Entlang des Kriminalfalls entfalten sich Fragen nach Reichtum und Armut, nach den sichtbaren und verborgenen Strukturen der Gesellschaft, nach Oberflächen und Tiefgründen.

Yael Inokai, geboren 1989 in Basel, studierte erst Philosophie in Basel und Wien, dann Drehbuch an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin. Für ihren zweiten Roman «Mahlstrom» wurde sie mit dem Schweizer Literaturpreis 2018 ausgezeichnet. Zuletzt erschien 2022 «Ein simpler Eingriff». Sie ist Redaktionsmitglied der Zeitschrift PS: Politisch Schreiben und lebt in Berlin.

27.10.2026

19.30 Uhr

Coalmine Café, Turnerstrasse 1, 8401 Winterthur

Tickets CHF 20.- / CHF 10.- mit Legi oder Kultur-Legi / gratis für Mitglieder

Martina Hefter: Nach der Sonne schauen

Eingeführt von Andrea Weber

Die Künstlerin Ilona Bartschok bezieht über den Sommer eine umgebaute Industriehalle im ehemaligen Tagebaugebiet Leipzig. Sie möchte an ihrem neuesten Kunstwerk »Die Landschaft in fünftausend Jahren« arbeiten. Allein Pflanzen und Vegetation sollen dann noch in diesem Gebiet sein. Und auch sie sucht Abstand von der Zivilisation und wird nur vom KI-generierten Hund Robyn auf einem über dem Esstisch installierten Bildschirm begleitet. Bis ihr eines Tages Bella zuläuft, eine waschechte Hündin, und sie ihre Nähe und ihren Schutz nicht mehr missen möchte, und dann auch noch die menschliche Isolation durchbrochen wird, da Nova, die Nichte des Vermieters, vor der Tür steht. Auch ohne vorangestelltes Zitat würden Erinnerungen an Marlene Haushofers Roman «Die Wand» wach. Die Buchpreisträgerin Martina Hefter katapultiert den Stoff in eine zudringliche Gegenwart.

Martina Hefter ist Schriftstellerin und arbeitet auf dem Gebiet der Performance. Sie lebt in Leipzig, wo sie am Deutschen Literaturinstitut studiert hat. Ihr Roman «Hey guten Morgen, wie geht es dir?» wurde 2024 mit dem Deutschen Buchpreis sowie dem europäischen Prix Grand Continent ausgezeichnet. Zuletzt erschienen von ihr die Gedichtbände «Es könnte auch schön werden» und «In die Wälder gehen, Holz für ein Bett klauen». 

10.11.2026

19.30 Uhr

Coalmine Café, Turnerstrasse 1, 8401 Winterthur

Tickets CHF 20.- / CHF 10.- mit Legi oder Kultur-Legi / gratis für Mitglieder

Literarischer Salon: Dorothea Trottenberg und Felix Münger über das Übersetzen

Eingeführt von Lisa Briner

Was zeichnet eine gute Literaturübersetzerin aus? «Es braucht Leidenschaft für beide Sprachen, ein gutes Instrumentarium auch in der Muttersprache, und man muss unglaublich akribisch sein», beantwortet Dorothea Trottenberg die Frage in einem Interview. Im Literarischen Salon wird die mehrfach preisgekrönte Wahlzürcherin über ihre zwei neuesten Übertragungen aus dem Russischen sprechen: die Sammlung ironisch-satirischer Kurzerzählungen «Alles über die Liebe» von Teffi und die poetisch dichte, fiktionalisierte Autobiografie «Das Leben Arsenjews» des Nobelpreisträgers Iwan Bunin. Beide Werke entstanden um 1930 im französischen Exil, werfen ganz unterschiedliche sprachliche und übersetzerische Fragen auf und ermöglichen einen spannenden Einblick in Dorothea Trottenbergs Werkstatt. 

Dorothea Trottenberg, 1957 in Dortmund geboren, übersetzt klassische und zeitgenössische russische Literatur, unter anderem von Lev Tolstoj, Sigismund Krzyżanowski, Viktor Pelewin, Elena Chizhova und Vladimir Sorokin sowie bislang zwölf Bände des erzählerischen Werks von Iwan Bunin. Sie wurde für ihre Übersetzungen unter anderem mit dem Paul-Celan-Preis ausgezeichnet sowie zuletzt 2024 mit dem Spezialpreis Übersetzung des Bundesamts für Kultur für ihr Gesamtwerk. 

Moderiert von Felix Münger, Redaktor SRF, veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Weltlesebühne Schweiz, unterstützt von Übersetzerhaus Looren.

01.12.2026

19.30 Uhr

Coalmine Café, Turnerstrasse 1, 8401 Winterthur

Tickets CHF 20.- / CHF 10.- mit Legi oder Kultur-Legi / gratis für Mitglieder